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FORELLENBESATZ − EINE SACKGASSE?

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Wie einfach war doch die Fischerwelt vor wenigen Jahrzehnten: Gab es in einem Mittelland-Fluss zu wenig Forellen, wurde das umgehend vom Bewirtschafter korrigiert. Im Handumdrehen wurden Forellen in der gewünschten Grösse herangeschafft und ins Revier entlassen.

Zum Thema Fischbesatz gibt es verschiedene Meinungen. Sicher ist nur, dass Meinungen vermehrt dort vorkommen, wo Wissen fehlt.

Doch dann kamen die „unbequemen“ Forscher und erklärten uns, dass die gängigen Besatzstrategien weder zielführend, noch ökologisch sinnvoll seien. Gar kontraproduktiv werden heute die langjährigen Bemühungen der Fischer genannt. Keine Massfische und schon gar keine gebietsfremden Bachforellen sollten in die Fliessgewässer gelangen. Wenn überhaupt sollten befruchtete Eier von lokalen Populationen vergraben werden − aber eigentlich auch dies besser nicht. Renaturieren müsse man. Wenn ein Gewässer komplett leer sei, könne man allenfalls über einen Initialbesatz nachdenken. Wir Fischer hatten uns doch schon darauf verständigt, dass Kormoran, Erderwärmung und vielleicht noch die Landwirtschaft Schuld tragen. Und dann das…

Der Fischer

Vielen Fischern behagt die Situation mit den „leeren“ Forellengewässern unabhängig von den Ursachen nicht. So entscheiden sich die meisten für einen von drei verschiedenen Auswegen. Der erste und wahrscheinlich naheliegendste Ansatz: Ich fische nicht mehr − zumindest nicht in dem betroffenen Gewässer. Wenn ich nicht in Slowenien oder Alaska weile, besuche ich Seminare, wo ich lerne, wieso es bei uns wirklich keine Forellen mehr gibt. Dort erfahre ich auch, wie ich kleinere Gewässer in Eigenregie ökologisch aufwerten kann. Am Forellenbestand ändert dies natürlich wenig. Man beeinflusst dadurch ja nur einen von unbekannt vielen Faktoren. Andere Tierarten profitieren aber davon und es sieht ja auch mega schön aus. Eine zweite Möglichkeit: Ich setze alle meine gefangenen Forellen zurück, so dass ich sie nächstes Mal wieder fangen kann. Wenn ich mich dabei nicht unfassbar dumm anstelle, wird dieses eigentlich unrechte Verhalten niemals beanstandet. Oder aber die dritte Option: „Es hat solange es hat.“ Ich fische mit der Faust im Sack einfach noch effektiver und noch ausdauernder. Ganz „forellenleer“ sind unsere Gewässer nämlich nur für schlechte Fischer.

Der Bewirtschafter

Die Bewirtschafter (Private und Behörden) haben nur zwei Möglichkeiten. Nr 1: Man kann die Forscher für Schreibtischtäter halten und weiterfahren wie bisher. Wenn man viel besetzt, werden schon ein paar Forellen für die Fischer übrig bleiben − trotz Wasserkraft, Erderwärmung, PKD und Pestiziden. Den potentiellen Kollateralschaden nimmt man dabei in Kauf. So lassen sich auch die Vorwürfe abwenden, dass man nichts gegen die Misere unternimmt. Nr 2: Man informiert sich, analysiert die Situation und zerbricht sich den Kopf. Durch kleine Eingriffe am Gewässer und zurückhaltenden Besatz mit Eiern und Brütlingen versucht man (in der Regel vergeblich) etwas zu erreichen. So läuft man aber Gefahr, auf einmal selbst von einem Grossteil der Fischer für einen „Schreibtischtäter“ gehalten zu werden. Fangbare Forellen gibt es dann natürlich kaum. Immerhin wissen dann aber die Fischer, welches Wobbler-Dekor die Alet bevorzugen.

„Weisswein und feine Häppchen“ oder „Des einen Glück ist des anderen Leid“

Ich finde die folgende Anekdote beschreibt die Ausweglosigkeit der Situation relativ gut: Vor einiger Zeit besuchte ich mit zwei Kollegen ein Seminar zum Thema „Fischrückgang in der Schweiz“. Hochkarätige Referenten boten Einblicke in die Thematik und präsentierten einige der Faktoren, welche den Forellenrückgang sehr wahrscheinlich begünstigen. Für den Schlüsselmoment (zumindest für mich) sorgte dann eine junge Forscherin. Voller Enthusiasmus, fast schon euphorisch, berichtete sie von einer weiteren Fischkrankheit, die den Forellen das Leben zukünftig schwer machen könnte. So richtig anstecken von der Freude liessen sich die anwesenden Fischer aber nicht. „Die blöde Krankheit macht doch Forellen kaputt, wieso strahlt die Frau wie ein Maikäfer?“, dachte zumindest ich in meiner Einfalt. Einige von uns Fischern schien das Gefühl zu beschleichen, dass wir mit den Besatzmassnahmen der letzten Jahrzehnte unfreiwillig zum „Erfolg“ der Forscherin beigetragen hatten. Wurden wir gerade ausgelacht? Ein kollektives Bauchweh schien sich im Raum auszubreiten. Zum Glück lud der Veranstalter kurz darauf zum Apéro. Weisswein und feine Häppchen liessen die kognitive Dissonanz der meisten Besucher schnell und zuverlässig abklingen.

mmmmhhhhh……Häppchen.

Einen erfolgreichen Forellenstart am 1. März oder zumindest ein wenig garnierten Käse wünscht Euch Euer Querdenker.

 

 

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