LESERBRIEF ZUM THEMA «CATCH & RELEASE»

5

Als fleissiger alpenfischer.com-Leser ist dir bestimmt nicht entgangen, dass wir uns regelmässig mit dem Thema „Fischentnahme“ beschäftigen. Vor allem unser „Querdenker“ wagt sich immer wieder in das Spannungsfeld zwischen Moral, Jagdinstinkt und Sinnhaftigkeit unserer Passion. Von der besagten Rubrik fühlte sich Sepp Prantler aus Salzburg zum nachfolgenden Leserbrief inspiriert:

Sepp Prantler aus Salzburg − leidenschaftlicher Fliegenfischer

Fischen ist paradox. Fliegenfischen noch viel mehr. Wir investieren viel Geld und Zeit, um Fische zu fangen, die wir umgerechnet viel günstiger mit weniger Aufwand im Geschäft kaufen könnten. Noch paradoxer ist es, wenn man Fische fängt, um sie danach wieder frei zu lassen! Das ist für sich selbst schon schwer zu begründen. Noch schwerer wird es, dies anderen Zeitgenossen gegenüber zu erklären.

Ein sehr persönlicher Versuch, dies trotzdem zu tun: Ein schöner Fluss oder Bach üben eine fast unwiderstehliche Faszination auf Menschen aus. Es gibt viele gemalte und fotografierte Bilder von Flüssen und Bächen, die gerne betrachtet werden. Das Interesse, was im Wasser vor sich geht, wird meist schon in jungen Jahren bei uns geweckt. Wir sehen fremdartige Wesen, die sich schwebend mit Eleganz und anscheinend mühelos in diesem Element bewegen. Dazu kommt der uralte Instinkt des Jagens, des Beutemachens, der Nahrungsbeschaffung.

Die eigentliche Tätigkeit des Werfens der Fliegenleine hat zudem einen faszinierenden Reiz für sich alleine. Das kann sogar meditative bis philosophische Züge annehmen. Der Obmann der Freunde der Gmundner Traun und begnadete Fotograf Albert Pesendorfer sagte einmal zu mir: „Wenn Du die Schlaufe wirfst, wirst Du Eins mit der Weltkugel.“ Ist vielleicht was dran? Die nötige Koordination die Bewegungsabläufe zu entwickeln könnte man durchaus als Kunst für sich bezeichnen. Die Auswahl der Fliege, das Betrachten des Wassers und das Erkennen des richtigen Wurfes für die entsprechende Situation tun ein Übriges.

Die Spannung, ob wir den Fisch überlisten können, er die Fliege als vermeintliche Nahrung akzeptiert, steigert sich ins Unermessliche. Gelingt es uns, einen Fisch mit diesem unerhörten Aufwand zu überlisten, ist die Freude über diesen Erfolg unglaublich groß. Am schönen Wasser, alles perfekt umgesetzt, den Jagdtrieb befriedigt und Beute gemacht. Kann der Moment besser sein?

In den „guten alten Zeiten“ hätten wir jetzt ohne schlechtes Gewissen den Fisch entnommen und vielleicht sogar noch ein, zwei mehr und am Abend auf dem Teller serviert. Mittlerweile wissen wir aber, dass unsere heimischen Fische wie Bachforelle, Äsche oder Huchen, Probleme haben. Der Mensch hat ihren Lebensraum drastisch reduziert, kanalisiert, zubetoniert − Wehre und Kraftwerke gebaut.

Es gibt künstlich angelegte Weiher und Fischzuchten, die den natürlichen Feinden der heimischen Fischwelt wie Kormoran, Fischreihern und Ottern fast unerschöpfliche Nahrungs-Quellen vorgaukeln. Entsprechend haben sich ihre Bestände erholt. Es kommt sogar zu unnatürlichen Über-Populationen. Frieren im Winter Seen und Teiche zu, konzentriert sich der Fraß-Druck dieser Fisch-Jäger allein auf die nicht zugefrorenen Fließgewässer, auf die heimischen, ohnehin schon gefährdeten Fischbestände.

Bachforellen und Äschen haben oft unglaublich schöne Farben, wie tropische Fische. Kaum zu glauben, dass sie heimisch sind. Der gefangene Fisch vor uns ist am Haken im Wasser. Seine Farben leuchten. Es fällt uns schwer, diesen Fisch zu entnehmen, zu töten, ihn in der Pfanne zu braten. Um untermaßige Fische nicht unnötig zu verletzen, sind unsere Haken ohne Widerhaken. Die Fliege hängt, wie meist, ganz vorne im Maul. Wir müssen den Fisch nicht mal angreifen, um ihn schwimmen zu lassen. Den Zug an der Leine verringern reicht meist, um ihm die Freiheit wieder zu geben. Jedenfalls können wir ihn ohne zu berühren, mit einem Griff an die Fliege und einem leichten Dreh befreien. Schwimm, Du schönes Wesen, wachse und vermehre Dich! Ich mußte Dich nicht töten, weil Du den Haken zu tief genommen hast. Was bin ich froh und glücklich!

Ja! Das alles ist paradox. Irgendwie gelingt es mir trotzdem immer wieder, damit umzugehen. Vielleicht nur deswegen, weil ich mir vorstelle, dass der Fisch beim nächsten Fischer, der ihm „eins auf den Kopf hauen will“, vorsichtiger bei der Wahl der Köders sein wird.

Bei den nicht heimischen Regenbogenforellen ist das auch bei mir oft anders. Die kann ich mir sehr gut in der Pfanne vorstellen. Obwohl …, wenn ich der begründeten Meinung bin, dass die Regenbogenforelle aus einem sich selbst reproduzierem Bestand stammt …?

Herzliche Grüsse an die Querdenker bei den Fliegenfischern,

Sepp Prantler

Sepp mit makelloser Regenbogenforelle

Teilen.

5 Kommentare

  1. Bürki Daniel am

    Ein weiterer super Artikel! Herzlichen Dank dem Autor und Alpenfischer dafür! Also Ihr habt alle das Herz an genau dem rechten Fleck! Genau so ist es. Ich glaubte mich trifft der Schlag wo ich mehr über das Verbreitungsgebiet des Kormorans erfuhr. Auszug Wikipedia: „Das Verbreitungsgebiet der Art umfasst große Teile Europas, Asiens und Afrikas, außerdem Australien und Neuseeland sowie Grönlandund die Ostküste Nordamerikas.“ Sehr bedroht ja, nee, ist klar.. Da gehören doch zuvorderst doch unsere Salmoniden geschützt! Und das gerade auch vor diesen Vögeln! Und ich habe selbst schon x Videos gemacht, wie schonend man eine Forelle oder Äsche, die mit der Fliege gefangen wurde, ohne jegliche Berührung wieder in die Freiheit entlassen kann. Und das ohne Flunkern praktisch zu 100 Prozent! Aber der schale Nachgeschmack bleibt.. Natürlich würden wir gerne ein zwei Fischlein fangen um sie am Abend in der Pfanne zuzubereiten, oder ein prachtvolles faszinierendes Ausnahmemonster auch mal präparieren und übers Kamin hängen um die Kinder in ehrfurchtsvolles Staunen zu versetzen. Nur lässt es die Situation leider käumlich zu! Da bleibt halt nur noch das „Simulationsangeln“ .. Ich frage mich oft, was den angekommenen, ewiggestrigen Fischereiverantwortlichen. Experten und Beamten da so durch den Kopf geht: „Jeder mässige Fische muss abgeschlagen werden.“ Ja Hallo?! Sind die wirklich die richtigen Leute am richtigen Ort..? Und die finanziell millionenschwere „Lobby“ der Fischer schafft es bis anhin nicht mal zu mehr als einer unbeachteten Unterschriftensammlung im Petri Heil Heftchen..

  2. Interessante Sichtweise. Ich selber kann mit C&R gar nichts anfangen. Für mich ist es in höchstem Masse unverantwortlich Fische zu fangen um diese nachher wieder freizulassen. Darum finde ich es nur korrekt, wie es in der Schweiz geregelt ist, als Tierquälerei. Fische fangen zu entnehmen und zu töten gehört zum Fischen dazu. Wer dazu nicht bereit ist, hat meiner Meinung nach nichts am Wasser verloren.
    Natürlich verstehe ich, dass es nichts schöneres als das Fischen gibt, mit allem was dazugehört, werfen, waten, drillen und einfach draussen am Wasser zu sein. Ich persönlich halte es aber so, dass wenn ich keinen Bedarf nach Fischen habe auch nicht fischen gehe. Grundsätzlich schaue ich dass die gefangen Fische sofort verarbeitet werden, einfrieren ist ein No-Go ausser vielleicht zum Räuchern.
    Meiner Meinung nach sollte man statt die Zeit damit zu nutzen sinnlos Fische zu fangen und wieder zurücksetzen lieber dazu investieren den Fischen den Lebensraum zurückzugeben. Dies bedeutet beispielsweise Engagement in einem Verein. Fischaufzucht und besetzten wo eine Naturverleichnung nicht möglich ist oder aber Hilfe bei Renaturierungsmassnahmen oder Wartung von Fischtreppen, so dass wieder eine Nachhaltige Fischpopulation entstehen kann welche man dann wieder ohne schlechtes Gewissen befischen darf.

  3. Bürki Daniel am

    Hallo Bastian! Jawoll, da wäre ich eigentlich auch ganz Deiner Meinung. Natürlich gehe ich ans Wasser mit der Absicht das Nachtessen zu fangen oder zu räuchern. Aber eben, bei einer Bachforelle oder einer Äsche, die ganz schonend mit der Fliege gefangen wurde und nicht mal angefasst werden muss zum lösen, denke ich, lasse ich die wieder ziehen, dann wird sie hoffentlich für Nachwuchs sorgen. Egli, Hecht und nicht heimische anpassungsfähigere Regenbogenforellen entnehme ich gern.

    Ich habe selber verwandtschaftliche Beziehung zu Aufzucht und Besatz an einem Gebirgsfluss der wegen Sunk und Schwall der Wasserkraftnutzung praktisch kein natürliches Aufkommen mehr schafft. Und da muss ich sagen, zur Pacht dort gehört ebenso auch eine Fischzuchtanlage. Und in der Saison werden gefangene Milchner und Rogner von den Vereinsfischern in entsprechende Becken gebracht um dann zu streifen. Mit diesen aufgezogenen Jungfischen wird dann wieder besetzt. Entnahme gilt vorläufig nur für Regenbogenforellen. So hat der Fluss einen erstklassigen, genetisch unverfälschten Bestand an Salmoniden. Wenn jeder Pächter so eine Anlage betreiben müsste, vielleicht auch im regionalen Verbund, sähe es gleich anders aus in der Schweiz. Aber nur Patente kassieren ist natürlich bequemer.. An Leuten die sich da gerne im Verein engagieren würden, würde es erfahrungsgemäss auch nicht fehlen, so denn die Möglichkeit dazu gegeben wäre. Warten dass Beamten die Situation ernst nehmen und gar Geld in die Hand nehmen ist eine übrige Sache. Die Pächter und zugehörigen Fischervereine sind da meiner Meinung nach gefordert. Und vom Volk das generelle Pestizidverbot..

    • Es geht mir dabei ganz Grundsätzlich um den Gedanken den Fisch nicht unnötig zu stressen und ihm leid zuzufügen. Jeder Drill bedeute Stress für den Fisch, egal ob er angefasst wird oder nicht. Zudem kann sich der Fisch beim Drill auch verletzen. Klar die Gefahr ist nicht sehr gross, und viele Fische überleben, wenn man sie schonend behandelt. Stress wirkt sich aber ganz generell auf das verhalten der Fische und ihre Physis aus. Gestresste Fische sind beispielsweise weniger fortpflanzungsfähig. Es herrscht ja auch Konsens darüber, dass man untermassige Fische nicht fängt. Wer viele Untermassige Fische an einem Standort fängt, wechselt den Ort. Wieso sollte das bei ausgewachsenen Fischen nicht gelten?
      Grade auch bei starken Sunk/Schwall Betrieb sind die Fische sowieso schon gestresst und sollten nicht noch zusätzlich gestresst werden.

      Ich verstehe das Problem voll und ganz. Trotzdem finde ich es in hohem Mass unmoralisch. Es muss ja auch nicht zwingend sein, sich in einen Verein einzubringen. Es kann auch helfen einer Pächtergemeinschaft beizutreten und dort etwas frischen Wind einzubringen, so als Idee. Ich denke aber auch, dass öffentliche Stellen mitziehen, wenn privat etwas angestossen wird, wie dieses Beispiel zeigt: https://www.111er-club.ch/portfolio/revitalisierung-buenz/.

      • Sepp Prantler am

        Ja, Bastian, das wünschen wir uns alle: Natürlich reproduzierende Fischbestände, die wir bedenkenlos befischen können und die Fische entnehmen, die wir dann möglichst frisch essen. Punkt. Ich engagiere mich auch in einem Verein, um die fischereiliche Situation zu verbessern und arbeite auch regelmäßig dafür. Ist leider noch nicht so weit, das wir vollständig selbst reproduzierende Fischbestände haben und wird vielleicht auch noch einige Zeit dauern, bis wir hoffentlich dahin kommen. Ich gehe Fische, um fische zu fange, die ich esse. Und ich esse sehr gerne Fisch! Übrigens ganz besonders die Fische, die als Fliegenfischer oft nicht so beliebt sind, wie z. B. Aitel (Döbel), aber auch Brachsen und auch Barsche. Daraus mache ich am liebsten Fisch-Frikadellen. Aitel aus klarem Wasser sind eine besondere Delikatesse! Und ich halte mich an die gesetzlichen Vorschriften! Wenn, wie meist in Deutschland, Vorschrift ist, jeden maßigen Fisch zu entnehmen, tue ich das auch! Aber wenn es nicht Vorschrift ist, alle maßigen Fische zu entnehmen, lasse ich auch Fische frei, die aus meiner Sicht zu einem Erhalt oder einer Verbesserung der jeweiligen Population beitragen können und entnehme lieber andere Fische, deren Bestand weniger gefährdet ist. Jedenfalls fische ich immer ohne Widerhaken und lasse nur Fische frei, die nicht in die Hand nehmen muss und die hoffentlich ohne bleibende Schäden überleben können.
        Herzliche Grüße, Sepp Prantler

Dein Kommentar