„INDIANERFISCHEN“ IN DER INNERSCHWEIZ

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„Die Biber“, damit ist nicht die Mehrzahl vom Tier „Biber“ gemeint, sondern ein Bach mit dem Namen Biber. Ob der Gewässername aber etwas mit dem genannten Tier zu tun hat, konnte ich bei der Recherche zu diesem Artikel nicht herausfinden, doch es ist nahe liegend. Ich kann mir gut vorstellen, dass die flinken Nager hier einmal breit gemacht hatten.

Text und Fotos: Pascal Bader

Wer an der Biber fischt, der wird eher kleine Fische fangen, es handelt sich dafür um wunderschön gezeichnete, meist makellose Bachforellen. Die Biber bietet eine Genussfischerei in herrlicher Umgebung mit einer reichhaltigen Flora und Fauna. Nicht selten kreuzt man den Weg von Wildtieren wie Rehen oder Dachsen und wer genau hinschaut, der sieht auch eine Vielzahl von Kleinlebewesen.

Die Biber im Hochmoor, so sieht ein natürlicher wilder Bachlauf aus.

Die Biber ist ein Bach, dessen Lauf zum grössten Teil unberührt ist von Verbauungen, und da wo der Mensch irgendwann einmal Hand angelegt hatte, sind heute kaum mehr Narben zu sehen. Sie fliesst durch eine der schönsten Landschaften der Innerschweiz, das Rothenthurmer Hochmoor. Hier ist die Welt noch in Ordnung, so kommt es einem auf jeden Fall vor, auch wenn diese Gegend geschichtlich gesehen einiges durchgemacht hat. Das letzte Kapitel war der geplante Waffenplatz der Schweizer Armee, doch dieses Projekt wurde 1987 durch eine Volksinitiative gestoppt. Was für ein Glück, denn hier wäre viel zerstört worden, unter anderem wohl auch die Möglichkeit in der Biber zu fischen.

Hochmoor, Biber

Das Rothenthurmer Hochmoor ist ein kleines Naturparadies.

Ich würde die Biber charakterlich in zwei Abschnitte teilen, den oberen im Hochmoor und den unteren Abschnitt, der durch einen Wald führt. Sie entspringt bei der Ortschaft Rothenthurm und mäandert als Wiesenbach durch die urige Moorlandschaft, meist auf freiem Gelände. Nur vereinzelt wird sie von Bäumen und Sträuchern gesäumt. Der untere Abschnitt hingegen ist ein wunderschöner, abwechslungsreicher Waldbach mit rauem Untergrund. Der Übergang der beiden Abschnitte ist übrigens gar nicht fliessend. Man kann fast eine Linie ziehen so krass ist er und genau auf dem Übergang befindet sich eine kleine Fussgängerbrücke, die als Zugang zum Bach genutzt werden kann. Kurz nach dem Waldstück, bei Biberbrugg, vereint sich die Biber mit der grösseren Alp, die von Einsiedeln her kommt.

Biber, Bachforelle

Die Bachforellen der Biber sind traumhaft schön gezeichnet.

Die richtige Zeit

Die Fischerei ist stark abhängig vom Wasserstand. Während Trockenperioden fällt der Wasserstand schnell auf ein niedriges Niveau. Viele Forellen verschwinden dann in ihren Unterständen und warten auf bessere Zeiten, das ist die Zeit für die Fliegenfischerei. Wenn hingegen das Wasser nach starken Regenfällen und hohem Wasserstand sinkt, dann ist der Moment da um mit der Tipp- oder Zapfenrute auszurücken, denn dann kommen die Fische wieder hervor und fressen allerlei Treibnahrung.

Im Frühling, wenn das Wasser durch den schmelzenden Schnee noch kalt ist, ist der Wurm oder die Bienenmade sicher die beste Wahl. Eine leichte graubraune Trübung verspricht dann die besten Chancen auf Erfolg. Weil die Biber einem Moor entspringt hat sie im Sommer nach starken Regenfällen oft eine rötliche Färbung, bedingt durch den Torfboden. Man sagt, dann seien die Erfolgsaussichten auch besonders gut. Man sollte sich aber beeilen, denn der Wasserstand sinkt jeweils sehr schnell.

Mit der Fliege

Eine besondere Herausforderung stellt sich dem Fliegenfischer. Präzises Werfen ist nötig um die Fliege zwischen den überhängenden Gräsern und Büschen auf den schmalen Bachlauf zu platzieren. Jeder zu laute Schritt auf dem schwammigen Boden wird von den Bachforellen mit Flucht quittiert, bevor der Fischer überhaupt einen Blick ins Wasser werfen kann. Nur wer wie ein Indianer schleichen kann und seine Silhouette nicht unvorsichtig preisgibt, der wird die scheuen Forellen nicht frühzeitig verscheuchen.

Die Trockenfliege bringt ab meisten Bisse, wenn sie am dünnen Vorfach in einer Rieselstrecke angeboten wird. Oft kommt der Biss, kurz nachdem die Fliege auf  das Wasser fällt. Gute Muster sind kleine CDC Fliegen oder helle mit Elch Haar gebundene Köcherfliegen-Imitationen (Elk hair caddis).

Besonders interessant scheint mir auch die Nassfliege oder der Streamer. Überall dort, wo sich die Wasseroberfläche durch die Fliessgeschwindigkeit kräuselt lohnt sich ein Versuch. Die Fliege wird an der kurzen Schnur Quer stromab geworfen und dann gehalten, bis sie am eigenen Ufer angekommen ist, die Bisse kommen vehement. Als Nassfliege nimmt man am Besten eine ungefettete Trockenfliege und zieht sie unter die Wasseroberfläche, kleine grüne Bugger-Muster eignen sich als Streamer.

Im unteren Waldstück ist neben Nassfliege und Streamer vor allem die Nymphe angesagt. Auch hier lauern Schwierigkeiten, diesmal in Form von abschnittsweise dichtem Gehölz. Das Nymphenfischen gestaltet sich hier eher als Tippfischen, trotzdem sind keine allzu schweren Nymphen nötig, denn das Wasser ist nicht sehr tief und die meisten Gumpen können mit leicht beschwerten Nymphen der Köcherfliege gefischt werden. Generell sind eher kleine Fliegen und Nymphen zu empfehlen.

Caddis, Fliegenfischen

Die Elkhair caddis ist immer für eine Forelle gut.

Kleine Bachforellen …

… von denen gibt es reichlich in der Biber, doch es gibt auch erstaunlich grosse Exemplare. Nur sie zu fangen ist eine andere Geschichte.

Bachforelle 52 Zentimeter, Biber

Das Foto von 1983 zeigt eine 52er Bachforelle. Ob heute noch solche Fische in der Biber hausen – ich glaub schon.

Zur Ausrüstung

Der Fliegenfischer ist mit einer 5er-Rute mit feinem Vorfach am besten bedient. Der Tipp- oder Zapfenfischer sollte Idealerweise eine in der Länge verstellbare Rute mit feiner Spitze und kleiner Stationärrolle benutzen. Mehr als eine 22er Mono-Hauptschnur braucht es nicht. Wer mit dem Zapfen fischt, dem empfehle ich kurze, konische Modelle mit 3 g Schwimmgewicht. Watstiefel sind unbedingt empfohlen, da man ohne Bachüberquerungen nicht weit kommt. Die Biber kann bei normalem Wasserstand fast überall überquert werden. Doch vorsichtiges Waten ist angesagt, es gibt an einzelnen Stellen unerkennbare Lehmeinschlüsse mitten im Gewässergrund in die man besser nicht hereinritt.

Typischer Tagesgang der Wassertemperatur an der Biber.

Ein Blick auf den Wochengang während einer sonnigen Periode im Mai zeigt, dass die Wassertemperatur innerhalb von 24 Stunden um bis zu 5°C variieren kann ohne dass sich der Wasserstand ändert. Der Einfluss der Sonne auf dem offenen Gelände ist erheblich, und das hat auch Einfluss auf das Verhalten der Fische. Mit anderen Worten sind die frühen Morgenstunden oder der Abend für die Fischerei am aussichtsreichsten, am Besten wählt man einen bedeckten Tag.

Kartenausschnitt Biber.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)

Für die Fischerei an der Biber gibt es Tageskarten. Siehe HIER.

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1 Kommentar

  1. Hallo Pascal
    Danke für Deinen Bericht über die Biber.
    Kleine Anmerkung zum kurz geschriebenen Kapitel „Kleine Bachforellen…“:
    Eine Geschichte von „den Grossen“ habe ich erzählt bekommen: Vor rund einem Monat habe ich einen Fischer an der Biber kennengelernt. Bei unserem Schwatz hat er mir Bilder von seinen grössten Biber-Fängen gezeigt; 47 bis 62! Es gibt sie noch, die Ausnahmefische.
    Für die 62’er Fario habe er übrigens mehrere Stunden am gleichen Ort auf der Lauer gelegen – wie es wohl nur grosse Indianer können.

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