ERFOLGREICH AM FLUSS AUF FORELLEN «SCHWEMMEN»

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Der Autor mit hart verdientem Lohn von vielen Stunden „Schwemmen“ auf Rheinforellen.

Wer nach langer Forellenschonzeit Lust auf die Rotgetupften verspürt und zum Saisonauftakt das Bauchgefühl hat eine «Grosse» zu fangen, für den ist die Spürfischerei nach Gefühl genau das Richtige!

Text und Bilder: Andi Binder

Die Eröffnung am 1. Februar oder 1. März rückt näher, die Forellenrute kann nach langer Winterpause wieder aus dem Schrank geholt werden. Wer nicht der winterlichen Fischerei frönte, kann nach vielen Monaten des Wartens nun endlich wieder an seinen Lieblings- Fluss oder Bach gehen. Was beim Saisonstart aber gleichwohl an den Winter erinnern wird, ist die weiterhin sehr tiefe Wassertemperatur. Dies ist auch die Erklärung, warum die Forellen knapp über dem Flussgrund stehen. Eine Methode bietet sich für das systematische Absuchen auf tief stehende Forellen geradezu an, das «Schwemmen» oder Spürfischen.

Die Technik beim Schwemmen

Auf den ersten Blick ist es die einfachste Art um am Fluss zu fischen. Quasi das Pendant zur Zapfenmontage am See.  Aber wie so oft, ist das Einfache nicht immer so einfach. Diese althergebrachte Methode bietet zahlreiche Details, welche zu beachten sind. Als erstes gleich die Abgrenzung zum Grundangeln. Denn beim Spürangeln bleibt das Blei nie lange auf dem Grund liegen, sondern berührt ihn nur ab und zu. Die ganze Montage bleibt eigentlich immer im Strömungsdruck drin und wird locker herumgewirbelt. Mal links, mal rechts, auf oder absteigend wird der Köder durch die am Boden herrschende Strömung abwärtsgetrieben. Das Tempo dieser Drift kann durch eine lockere oder straffere Schnurführung gesteuert werden. Allerdings muss zuerst gewährleistet sein, dass der Köder überhaupt am Grund ankommt. Deshalb ist es in tieferen Gewässern oder starker Strömung sinnvoll, den Köder zuerst ein Stück flussaufwärts zu werfen. So tanzt der Köder verführerisch an einem vorbei.

Nicht zuviel Schwermetall!

Hätte man ein schwereres Blei gewählt, wäre der Köder auch rasch zum Grund gelangt, nur wäre das feine und aufreizende Hüpfen über die Steine ausgeblieben. Spüren wir dieses vibrieren in der Rutenspitze, dann stimmt die Balance zwischen Führung und Bleigewicht. Verzeichnen wir hingegen viele Hänger oder kein Zupfen, ist das Bleigewicht anzupassen. Ein grosser Vorteil vom «Schwemmen» ist die perfekte Köderpräsentation exakt über dem Grund. Da die Forellen im kalten Wasser bevorzugt in diesen Löchern stehen, fischt man damit auch ohne langjährige Gewässerkenntnisse am richtigen Ort. Es setzt aber voraus, dass mit dem spannen und lösen der Leine auf diese Gewässergegebenheiten eingegangen wird. Eine leichte Spinnrute in der Länge von 3.0 – 3.3 Meter leistet hier gute Hilfe, falls über einer Untiefe der Köder angehoben werden muss.

Ist der Köder in Ufernähe angekommen, kann er langsam eingezogen werden. Alle paar Kurbelumdrehungen gilt es eine Pause zu machen. Häufig attackieren die Forellen den Köder, wenn wieder Bewegung reinkommt. Die Bisse sind meistens heftig und machen kein Halten der Schnur mit dem Zeigefinger nötig, wie es beim Grundfischen häufig praktiziert wird. Zu beachten ist aber, dass speziell grosse Forellen den Köder einfach nur festhalten und uns das Gefühl eines Hängers vermitteln. Hier gilt es wachsam zu bleiben, ob nicht doch Bewegung reinkommt. Bei ausgedehnten Krautbänken oder zahlreichen grossen Steinen/Felsen, ist der Zapfenfischerei den Vorzug zu geben.

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Nicht immer nur Forellen die beim „Schwemmen“ beissen..

Eine mögliche Auswahl an Naturködern

Dass am Fluss zum Saisonstart der tote Köderfisch zu den Topködern für Farios gehört, war dem Autor bereits als junger Bursche klar. Nur war es ihm dazumal mit dem «Freiangelrecht» nicht gestattet, diesen auch zu gebrauchen. Also mussten Alternativen her. Als erstes kommt einem natürlich der Tauwurm oder Schwarzkopf in den Sinn. Dieser Köder ist zweifellos einer der besten Forellenköder über die ganze Saison gesehen. Aber zum Forellenstart ist das Wasser meistens sehr klar und damit nicht ideal für die Wurmfischerei.

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1. Tauwurm oder Schwarzkopf auf Wurmhaken aufgezogen, 2. Aus einer Specktranche (Fett-Teil) ein Fetzten in Köderfischgrösse ausschneiden. 3. Mehrfach auf die Schnur aufziehen, dünnen Lappen am Hakenende stehen lassen (wie eine Twisterschwanz).

Aber Wurm ist nicht gleich Wurm, falls er unterschiedlich auf den Haken gezogen wird. Anstatt den grossen Wurm nur in der Mitte anzupieksen, wird er vom Schwanzende bis kurz vor das Kopfende (ca. 1 cm) aufgezogen. Dies verleiht dem Wurm im Wasser eine Rotation. Die Stärke der Drehung kann mittels verschieben des Wurms reguliert werden. Ist er schnurgerade aufgezogen, keine Drehung, «rutscht» er gegen den Hakenbogen runter, gleich starke Drehung. Von Vorteil werden feine Wurmhaken verwendet, welche auf dem Schaft 2 Widerhaken haben oder geleimte Haken.  Anschliessend kann der Wurm wie ein Köderfisch geführt werden und ist bei vorhandenen Groppen oder Grundel-Beständen ein Topköder. Meine Jugendliche Phantasie liess noch weitere Forellen-Köder gedeihen, z.B. den «Speck-Köderfisch». Eine feine Tranche Bratspeck in Köderfischgrösse aufgezogen, brachte mehrfachen Erfolg in den ersten Saisontagen. Selbst ein Hecht konnte dem zarten Wedeln des Specks nicht widerstehen.

An kleinen Gewässern oder wenn die Fische paar Tage nach Saisonstart bereits wieder misstrauisch werden, lohnt sicher immer auch ein Versuch mit altbekannten Naturködern. Denn der Mistwurm, Laubwurm, Bienenmade, Tebo, Mehlwurm oder die Crevette leisten dann gute Dienste.

Kunstköder? Probieren geht über studieren

Vom Prinzip her funktionieren natürlich auch alle Weichplastik-Köder (Twister, Gummifisch, Shads) sowie die von Berkley bekannten organischen Kunstköder mit dieser Methode.

Die leichte Montage

Da das Blei eigentlich nicht am Grund liegen bleibt, ist ein Laufblei nicht zwingend. Gute Erfahrung habe ich mit schlanken, rollenden Bleioliven mit montiertem Wirbel in den Gewichten von 3-20 Gramm gemacht. Verwende ich den rotierenden Wurm, schalte ich noch einen zusätzlichen Wirbel dazwischen. Mein Tipp: Blei zu Saisonbeginn lieber ein wenig schwerer wählen, dafür die Sicherheit haben, auch tiefe Gumpen am Grund befischen zu können. Bei häufig wechselndem Gewässer- verhältnissen können schnell wechselbare Bleie verwendet werden (z.B. Jardine-Blei). Immer beachten, dass bei starker Strömung auch im flachen Wasser das gleiche Gewicht wie im tiefen ruhigen Kolken passend sein kann. Tiefe und Strömung sind immer nur zusammen massgebend! Vorfachstärke nicht zu dünn wählen, da grosse Forellen möglich sind: 0.22 – 0.28 Millimeter sind angemessen. Die Hauptschnur min. 0.02 mm stärker oder Geflochtene mit 2 kg mehr Tragkraft verwenden. Den Haken nicht zu klein wählen, um Untermässige Fische leichter lösen zu können. Bei der Verwendung von Köderfischen können die bekannten bleilosen Systeme verwendet werden. Auch hier gilt, möglichst einfach belassen, ein Einzelhaken, ggf. mit zusätzlichem feinem Dreiangel ist ausreichend.

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Forelle im Drill an der Schwemm-Montage. An diesem kalten Eröffnungstag war der tief geführte Köderfisch genau das Richtige

Saisonstart im Dunkeln

Der Nebel liegt noch über der Wasseroberfläche, wenn beim ersten Tageslicht ins Wasser gestiegen wird. Der 1. Wurf der neuen Forellen-Saison erfolgt an der Stelle, wo im alten Jahr eine kurze Bekanntschaft mit einer Grossforelle gemacht wurde. Die Schnur wird leicht gestoppt, das Blei taucht an der gewünschten Stelle neben den Felsen ein. Das feine Vibrieren der Rutenspitze zeigt das perfekt über den Grund wandernde Blei an. Plötzlich bleibt es stehen. Die Rutenspitze wird sanft angehoben –  nichts. Dann nochmals mit leicht stärkerem Zug und peng! Ein dumpfer Schlag lässt die Rute erzittern. Die Forellen-Saison 2019 ist eröffnet!

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Eröffnungs-Doublette beim Spürangeln mit dem toten Köderfisch.

Wer lieber mit dem Bleikopfsystem den Flussforellen nachstellen möchte, findet alle Infos in diesem Artikel hier.

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