Ohne einen «Satz» fischt hier fast keiner. Das gilt nicht nur für die Fischerei am Alpenrhein, sondern für den ganzen Kanton Graubünden (CH). «Sätze» gibt es in verschiedenen Ausführungen und sie können mit unterschiedlichen Techniken eingesetzt werden. Doch was ist eigentlich ein «Satz»?
An anderen Orten in der Schweiz würde man dazu wohl «Hegene» sagen, in Österreich und Deutschland auch «Gambe», «Paternoster» oder auch «Renkensystem». Also eine Montage, an deren Ende sich ein Blei befindet und darüber eine bestimmte Anzahl Haken oder Nymphen an kurzen Seitenarmen.
In unserem speziellen Fall, nämlich bei der Fischerei am Bündner Alpenrhein, sind es drei Seitenarme mit Bienenmaden, Tebomaden oder Würmern dran. Am Ende kommt aber nicht wie zu erwarten wäre ein Birnenblei oder dergleichen, sondern ein gestreckter Bleidraht von 50 bis 70 Zentimeter Länge. Ähnlich wie das bekannte «Tiroler Hölzl» sorgt der Bleidraht dafür, dass sich die Montage nicht am Flussgrund verkeilt, sondern elegant darüber schleicht. Materialverluste halten sich dadurch in engen Grenzen und trotzdem ist der Köder immer dicht am Grund, wo die Aussichten auf einen Biss am besten sind.
Wir treffen uns um sieben Uhr, also kurz nach Tagesanbruch, an diesem kalten Februarmorgen mit Hausi und Sandro vom HMZ-Team. Einen Kaffee haben wir alle schon intus und warm angezogen sind wir auch. Doch wir sind alle heiss aufs Fischen, denn neben uns fliesst der mächtige Alpenrhein, welcher Aufstiegsgewässer für Forellen aus dem Bodensee ist. Jetzt stehen die Chancen auf eine dicke, wilde Regenbogenforelle am besten.
Nach ein paar blöden Sprüchen zur Begrüssung geht’s ab ans Wasser. Wir alle wissen: nur mit Geduld und viel Ausdauer können wir erfolgreich sein. «Lieber konzentriert fischen, als energisch», heisst die Devise.
1. Satz
Doch oh Wunder, nach einer halben Stunde – höchstens – zappelt bereits ein Fisch am Haken und lässt die Rutenspitze von Sandros Gerät verführerisch wippen. Ja ja, eine schön gezeichnete 30er-Regenbogenforelle hat den Mistwurm am Rheinsatz eingeschlürft. Das ist doch schon mal ein Anfang.
Wie fischen
Eine sensible Rute mit 3.30 bis 3.60 Meter Länge ist ideal um einen «Rheinsatz» zu fischen. Denn mit dem Bleidraht ist die Montage gut und gerne 2 Meter lang, also zum Werfen muss die Rute eine gewisse Länge haben. Auch die Führung der Montage geht mit einer langen Rute besser. Als Hauptschnur verwendet er eine monofile 0.22er.
Variante 1: Gefaltet – Der Draht wird mittig gefaltet und durch die Schlaufe geführt, dann eingedreht.
Variante 2: Gestreckt – Etwa 10 Zentimeter des Drahts werden durch die Schlaufe am Ende des Rheinsatzes geführt und eingedreht «tüdeln».
Sandro wirft die Montage jeweils schräg Flussaufwärts, lässt den Bleidraht an den Grund sinken und hält dabei die Schnurlänge unter Kontrolle, verkürzt die Schnur wenn die Montage auf ihn zutreibt. Dabei lässt er der Montage freien Lauf und versucht nicht sie zu führen. Er versucht dabei immer in Fühlung mit dem Gewässergrund zu bleiben. Der Biss ist gut zu spüren und es sollte mit einer oder zwei Sekunden Verzögerung angeschlagen werden.
2. Satz
Bereits wird es heller und die Sonnenstrahlen treffen uns mit Lichtgeschwindigkeit, als sie über die Berggipfel ragen – was für eine tolle Stimmung!
Doch es wird noch besser, denn Sandro hat wieder einen Fisch am Haken. Er scheint nervöser als zuvor und auch Hausi ist aus dem «Hausi» als er den dunklen Schatten im klaren Wasser herumflitzen sieht. «Das isch a grossi», rufts und sogleich wird der Feumer bereit gemacht. Derweil Sandro mit gestreckter Rute in die Knie muss und zittert – dann ist der Fisch im Feumer. Es ist Sandros grösste Forelle im Alpenrhein, 60 Zentimeter… wow!
Andere Einsatzmöglichkeiten
Es gibt «Rheinsätze» mit Nymphen oder mit Naturköderhaken, See-Nymphensätze» mit Nymphen, mit Fliegen oder mit einem Naturköderhaken oder Kombinationen davon… schlicht gesagt: der Variantenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Auch die Hakengrösse kann variiert werden, je nach Köder – bei Bienenmaden ist die Grösse 8 ideal. Im ganzen Kanton Graubünden gilt: keine Widerhaken und maximal 3 Hakenspitzen.
3. Satz
Die beiden ersten «Sätze» an diesem Tag gingen definitiv an Sandro. Doch der verflixte dritte Satz hat dann der Redaktor vom «Alpenfischer» für sich entschieden. Inspiriert von der – führ ihn – neuen Technik mit dem Bleidraht, von welcher er schnell überzeugt war, legte er einen Sondereinsatz an einer anderen Stelle ein. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten, denn bald rappelte es auch an seiner Rute und eine dicke 40er-Regenbogenforelle war Sein…
Hände in der Hosentasche
Gerade im Winter sieht man auch zahlreiche Fischer, die ihren Rheinsatz auf Grund fischen, dabei stehen sie da mit den Händen in den Taschen – ob sie wohl kalte Finger haben? Nein, denn sie warten dabei auf einen Biss. Anstelle eins Bleidrahts haben die meisten ein etwa 30 Gramm schweres Birnenblei oder dergleichen montiert. Sie stellen die Rute steil in den Rutenhalter und spannen die Schnur. Erst wenn es «rumpelt» ziehen sie ein, dann mit einem Fisch am Haken – mit dem Bleidraht mit Gefühl fischen ist definitiv spannender…
Der Fang der 60er-Regenbogen im Video
Zum Bleidraht…
Zentral an der Fischerei mit dem Rheinsatz ist der Bleidraht. Durch seine Weichheit ist es fast unmöglich, dass er sich am Flussgrund verkeilen und abreissen kann. Meistens hilft ein leichter Zug und er schleicht weiter. Je nach Wassertiefe und Fliessgeschwindigkeit wählt man die Länge des Drahts aus. Es gibt ihn in unterschiedlichen Durchmessern, wir haben einen 1.25 mm Draht gefischt – funktionierte tadellos.
Danke an Hausi und Sandro von der HMZ-Nymphenfabrik, es war ein toller Tag.
Text, Bilder, Video: Pascal Bader, Redaktion Alpenfischer.com